Zeichen der Zeit entdecken - Dingen Beachtung schenken

Spätsommer am Goldsteig - Foto: Michael Körner
Spätsommer am Goldsteig - Foto: Michael Körner

Damit Dinge ihre Wirkung entfalten, muss man ihnen  Bedeutung geben. Täglich bewegen wir uns in einem Umfeld der vielfältigsten und phantastischsten Erscheinungen. Das eine Mal gelangen sie in unseren Wahrnehmungskreis und wir machen etwas daraus, meistens fliegen sie an uns nur so vorbei, ohne dass wir uns dabei etwas gedacht hätten und ihnen Beachtung schenken würden.

Wandern war für mich so eine Sache, welche seit meiner Kindheit präsent ist. Gewandert sind wir bereits als Kinder mit den Eltern und Großeltern, als der Wanderausflug in den 1960er Jahren bei uns zum sonntäglichen Familienprogramm gehörte. Rund um den Großen Arber waren wir schon unterwegs, als es unseren Goldsteig noch gar nicht gab. Wandern war für uns Kinder spannend, mit dem selbstgeschnitzten und verzierten Wanderstock (damals gab es noch keine Trekkingstöcke) der Familie vorauszueilen, Steinmännchen am Fluss zu bauen und barfuß an den Bächen die Natur zu entdecken. Was man hier erlebte vergisst man nicht, wie Fotos blieben die Erlebnisse im Gedächtnis hängen. Über viele Wanderjahre vermehren sich diese Erinnerungen. Als Wanderer entwickelt man sich weiter. Vom Tageswanderer wird man zum Fernwanderer. Viele Tage hintereinander zu wandern verändert die Blickwinkel mehr, als bei einer kurzen Tageswanderung. Plötzlich fühlt man anderes, denkt anders und erlebt anders. Was sich auch nachhaltig, wenn man längstens wieder zu Hause ist, auswirken kann.

Über die Jahre verändern sich Dinge, die Gesellschaft ändert sich, die Technik ändert sich. Daher ändert sich auch immer wieder der Blick auf die Dinge, und man wandert heute anders als früher. Auch die Naturerfahrung selbst hat sich verändert. Ich erinnere mich noch sehr gut an mein erstes Kinder-Outdoorhandbuch. Dies erzählte von spannenden Dingen, welche man draußen unternehmen kann. Ein Buch war der Anfang. Heute holen wir uns zur Planung unserer nächsten Wanderung Informationen aus dem Internet aus Tourenportalen, Outdoor-Blogs und mit Hilfe von Apps für das Mobiltelefon. Die Technik hat auf allen Wegen Einzug gehalten und sicher sind wir daher noch lange nicht am Ende der Entwicklungen angelangt. Das Mobiltelefon in der heutigen, internetfähigen Form nahm erst vor rund zehn Jahren seinen Lauf. Wir stehen im Wald und orientieren uns mit dessen Hilfe georeferenziert, direkt vor Ort. Eine Entwicklung, welche gedruckte Karten alt aussehen lässt, aber natürlich immer nur dann, wenn  man für das Telefon auch einen leistungsfähigen Empfang hat und der Akku geladen ist. So verändert sich, wie wir uns bewegen und kommunizieren und die Beschaffung von Informationen.

Dass sich in meinem Fall, jemals kindliche Erfahrungen, Hobby und Beruf in dieser Form verschmelzen, wer hätte das gedacht. Beruf kommt von Berufung, vielleicht musste es so kommen, und wenn einem eine Sache am Herzen liegt, gibt man ihm auch eine besondere Bedeutung. Es bleibt ein Leben lang präsent und es versteckt sich in einem und treibt einen voran, im positiven Sinn und zum Wohle aller. Auch wenn das Unterwegs sein täglich viel Energie und Geduld kostet, so ist es ein wesentlicher Bestandteil der Dinge. Und solange wir  auf einem guten Weg unterwegs sind, ist unser Leben in Bewegung und man kann sich auf einen noch spannenden verbleibenden Weg freuen, auch wenn man nicht weiß was alles noch auf einen zukommt.

Blicken wir immer nach vorne, entdecken die Zeichen der Zeit und geben ihnen Bedeutung. Ich wünsche Ihnen einen schönen Wanderherbst. Bleiben Sie aktiv und damit auch gesund.

 

Copyright: Michael Körner, Editorial für das Goldsteig Magazin, August - November 2016