Oberpfälzer Jakobsweg

Kirchenportal Kloster Ensdorf - Foto: Michael Körner
Kirchenportal Kloster Ensdorf - Foto: Michael Körner
Von Prag nach Nürnberg
Neben dem Ostbayerischen Jakobsweg von Prag über Eschlkam nach Regensburg und weiter nach Donauwörth gibt es etwas nördlicher noch eine weitere Route von Prag über Eslarn nach Nürnberg.
Diese Jakobswegtrasse verläuft ab der Tillyschanz, von der deutsch-tschechischen Grenze über die Ortsfolge von Eslarn, Fuchsberg, Willhof, Schwandorf bis Ensdorf und ist ca. 89 Kilometer lang.
Markiert ist diese Strecke mit einer weißen Muschel auf blauem Untergrund. Gepflegt und betreut wird der Weg durch den Oberpfälzer Waldverein. Eine Verlängerung von der Grenze nach Prag wurde am 26./27. April 2003 bereits gefeiert.

Als Kartenmaterial dient die UK 50-20 des Bayer. Landesvermessungsamtes oder aber auch die Fritsch Wanderkarte Nr. 55.
Tillyschanz ist ein kleiner Weiler in der Gemeinde Eslarn. Auf einer Tafel kann man lesen, dass es bis Nürnberg ca. 175 Kilometer sind und bis Santiago ca. 2600 km. Als ersten Etappenort erreicht man nach 4,8 km den Ort Eslarn. Die Kirche Mariä Himmelfahrt hat im Innenraum einen schöne Großranken-Akanthusaltar und wird dem oberpfälzischen Altarbauer Johann Michael Doser (1678 - 1756) zugeschrieben. Neben der Kirche befindet sich ein neuer Kilometerstein, auf welchem steht 2595 km nach Santiago. Fotos  findet Ihr in der Galerie: Oberpfälzer Jakobsweg.

Mögliche Etappen wären:
Tillyschanz - Wildstein, 14,7 km
Wildstein - Guteneck, 21,9 km
(Guteneck liegt ca. 1 km abseits der Trasse)
Guteneck - Altendorf, 10,5 km
(Altendorf liegt ca. 2 km abseits der Trasse)
Altendorf - Hohenirlach, 13,0 km
Hohenirlach - Schwandorf, St. Jakob 13,4 km
Schwandorf - Ensdorf, 16,8 km

Ensdorf liegt im Tal der Vils, die Gegend wurde bereits vor 20000 Jahren besiedelt. Im Dorfmittelpunkt befindet sich das Kloster, welches von den Benediktinern 1121 gegründet wurde. 1507 brannte das Kloster ab, erst im 18. Jahrhundert errichteten die Benediktiner hier eine neue Abtei. Die Kirche ist St. Jakob gewidmet und im Mittelalter zogen häufig die Jakobspilger durch Ensdorf.

Bis Nürnberg verbleiben noch 85,9 km
Von Ensdorf führt die weitere Route über Hohenburg, Sindlbach, Markt Wendelstein, Schwabach, Heidenheim, Oettingen, Nördlingen, Neresheim nach Ulm und von hier weiter zum Bodensee.

Wegbeschreibung
Quelle: Oberpfälzer Waldverein - mit freundlicher Genehmigung - Autor Kurt Heinold

 

Von der Grenze aus führen zwei Hauptwanderwege des OWV, der Wallenstein-Tilly-Weg (verläuft im Wesentlichen von Ost nach West und ist mit rotem Schrägkreuz markiert) und unser Jakobsweg (markiert mit weißer Muschel auf blauem Grund) gemeinsam: Sie kommen über den langgezogenen Parkplatz und an dessen westlichem Ende nach rechts in den Wald. Sie folgen erst einem Pfad, dann einer Waldstraße. Wald und leicht hügeliges Gelände wechseln ab. Unser Weg bleibt immer rechts der Straße von Tillyschanz und führt nach Eslarn.

Der Ort Eslarn wird Mitte des 13. Jahrhunderts erstmals erwähnt, ist aber sicher schon viel älter. Über Jahrhunderte hinweg war er Umschlagplatz, Durchgangs- und Grenzstation im Handel mit Böhmen.  Es gibt Gasthöfe, Pensionen, Ferienwohnungen und Privatquartiere in durchwegs schmucken Häusern. Etwa 3000 Einwohner leben von Handel, Gewerbe und Fahrzeugbau sowie von Holz- und Kunststoffverarbeitung.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt besitzt einen schönen Großranken-Akanthusaltar, eine Verschmelzung von Baum und Monstranz. Haupt- und Seitenaltäre werden dem oberpfälzischen Altarbauer Johann Michael Doser (1678 - 1756) zugeschrieben.

Die Markierungen beider genannten Wege führen zum Tillyplatz, von dort durch den Loisbachgrund und dann hinaus zum Freizeitzentrum Atzmannsee. Hier trennen sie sich. Hier kommt aber auch der Nurtschweg des OWV vorbei. Er ist gelb-rot-gelb (horizontal) markiert. Nurtschweg und Jakobsweg führen jetzt ein Stück gemeinsam in Richtung Pflugsbühl. Dort trennen sie sich wieder.

In letzter Zeit mehren sich Stimmen, dass Wanderer und Pilger auf dem Jakobsweg auch Gelegenheit zu einem Abstecher an die Autobahnkirche Waidhaus bekommen sollen. Der OWV hat daher in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Autobahnkirche und dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald eine Spange markiert, die der Wanderer als Alternative begehen kann. Die Spange ist mit einer roten Vertikalen auf weißem Rechteck markiert. Sie beginnt am westlichen Ende des großen Parkplatzes in Tillyschanz, führt nach Waidhaus (12 km) und weiter nach Eslarn/Atzmannsee (11 km). Der direkte Weg von Tillyschanz zum Atzmannsee misst 6 km. Wer Genaueres dazu erfahren möchte, sollte sich unter dem Stichwort „Spange Tillyschanz“ informieren.
Für den Wanderer auf dem Jakobsweg bleibt der Badesee rechts liegen. Er quert die Straße nach Tröbes. Südlich von Pflugsbühl kommt er in den Wald. Bald geht es über eine stellenweise sumpfige Wiese. Auf der Straße nach Paßenrieth kann er noch einmal in das Eslarner Becken hinunterschauen. Dann führt eine längere Waldstraße hinauf in den Sattel zwischen dem Bromberg (687 m) und dem Stangenberg (750 m), wo man früher schon einmal Gold gesucht hat.
Gleich hinter dem Sattel kommt unser Weg kurz an den Waldrand und bietet über Lohhof hinweg schöne Aussicht. Dann tritt er nach rechts wieder in den Wald ein. Es geht abwärts, teils im Wald, teils am linken Rand entlang. Gaisheim bleibt links liegen. Wir treffen auf den Oberpfalzweg, gelb-weiß-gelb (horizontal) markiert. Nach dem Queren der St. 2180 und des Tröbesbaches sind wir wieder mit der Muschelmarkierung allein und folgen einer Waldstraße, die für Kraftfahrzeuge gesperrt ist. Das Sträßchen führt erst nach Süden und wendet sich dann nach Westen hinauf auf den Kamm des Hohen Rainsteins (750 m). Wo auf der Südseite des Kammes der Wald aufhört, schaut und geht man hinunter in den Ort Wildstein. Einkehr und Übernachtung sind zu empfehlen. Das Dorf mit knapp 200 Einwohnern ist vorwiegend landwirtschaftlich orientiert.

Unser Jakobsweg verläuft jetzt auf einem Panoramasträßchen am Südhang des Wildensteins (736 m) entlang. Von hier aus entdeckt man im Südosten den Signalberg (888 m), im Süden den Kätzlesberg (655 m) mit seinem Sendemast und die Ruine von Haus Murach. Von rechts her kommen der Burgenweg (gelb-blau-gelb horizontal markiert) und der Goldsteig (mit gelbem stilisierten S auf weißem Grund markiert) dazu. Alle drei Markierungen führen jetzt gemeinsam weiter. Durch Wald geht es hinunter. Wo der Blick frei wird, kann man über Kühried und das Tal hinweg nach Burkhardsberg schauen. Und so verläuft auch unser Weg. Wir kommen links an Burkhardsberg vorbei und entdecken das Wallfahrtskirchlein St. Jakob bei Fuchsberg. Leichtfüßig springt man hinab.

Das Kirchlein steht in gepflegter idyllischer Umgebung. Falls es verschlossen ist, gibt es den Schlüssel bei Familie Brand in Fuchsberg (Tel. 09671-689). Im Inneren der Kirche findet man an der Emporenbrüstung zwei berühmte Bilder: Das eine zeigt eine Szene aus der Schlacht von Clavijo (844) bei Logrono, in der König Ramiro I. mit Hilfe des hl. Jakobus die Mauren besiegt hat. Das andere zeigt eine Schlacht aus den Türkenkriegen um 1683, in der der hl. Jakobus ebenfalls zum Beschützer des Christentums wird.
Auch Wanderer auf dem Burgenweg oder dem Goldsteig kommen hierher. Sie trennen sich aber hier endgültig von uns. Jakobspilger gehen jetzt nämlich etwa 700 m auf der Straße nach Fuchsberg. Hier gibt es die Brauerei, deren Bier von Einheimischen sehr geschätzt wird. Das Gasthaus im Ort ist meist nur am Abend geöffnet. Das Dorf hat etwa 250 Einwohner und lebt vorwiegend von der Landwirtschaft.
Unsere Jakobsmuschel geleitet hinunter in das Tal der Faustnitz und an dessen Gegenhang nach Teunz. Hier gibt es gut 700 Einwohner. Es sind meist Landwirte, aber auch Pendler. Einkehr, Unterkunft und Versorgung aus Geschäften sind möglich.

Westlich von Teunz quert man die viel befahrene Bundesstraße 22 (Vorsicht!) und folgt einem Stück der Straße nach Nabburg, zunächst unmittelbar auf der Straße, dann auf einem Weg links daneben, erst im Freien, dann im Wald reichlich hinauf. Der Straßenrand verschwindet nach rechts. Bei einem tief eingeschnittenen Graben biegt man scharf links ab. Wo der Wald aufhört, hat man einen schönen Blick über das Murachtal.
Man kommt nach Voggendorf und weiter auf der Straße nach Rottendorf. Das Gasthaus bietet Getränke und Brotzeiten an. Ein Feldweg geleitet den Wanderer/Pilger am Osthang des Gabesberges (555 m) in ein Tälchen und schließlich steil hinauf nach Enzelsberg.
Kurz vorher empfiehlt sich ein Blick zurück: Bei guter Sicht erkennt man nicht nur den Kätzlesberg mit seinem Sendemast und die Ruine bei Obermurach, sondern auch den Signalberg und links davon, weiter hinten, die Berge im Grenzbereich nördlich von Stadlern.
Enzelsberg selbst bleibt links liegen. Aus dem Ort kommt auch der Karl-Krampol-Weg (Hauptwanderweg des OWV, gelb-rot-gelb vertikal markiert, verbindet Amberg mit Stadlern). Er ist nach dem ehemaligen Regierungspräsidenten der Oberpfalz benannt. Beide Wege führen von hier aus gemeinsam bis zur Felsmühle (s.u.). Zuerst folgen sie wenige Meter der Straße nach Pischdorf. Dann geht es mit beiden Markierungen links über einen Feldweg, der bald in den Wald hineinführt. Man sollte hier genau auf die Markierungen achten. Vom südwestlichen Waldrand aus folgt man einem Betonsträßchen hinunter in den Sattel zwischen Dürnersdorf und Oberkatzbach und am Gegenhang wieder hinauf. Eine schöne Waldstraße führt schließlich zur Felsmühle hinunter. Bei ihr kann man zum Gegenhang hinaufschauen und oben das Schloss von Guteneck betrachten. Hier trennen sich die Markierungen.
Während der Karl-Krampol-Weg nach Guteneck hinaufführt, folgt der Jakobsweg dem Katzbach bis zu einer Furt (Kinder dürfen einmal waten!) und wendet sich dann nach links hinauf in den Waldbereich der Herrenberge.

Nachdem der Pilger/Wanderer gebührend an Höhe gewonnen hat, zieht er östlich von Unterkatzbach am Waldrand entlang und er genießt eine Aussicht über das Katzbachtal hinüber. Wo nach knapp zwei weiteren Kilometern der Weg erneut den Waldrand erreicht, hüpft die Markierung plötzlich nach rechts in Richtung Schirmdorf hinunter. Bis kurz vor Willhof bleibt der Pilger/Wanderer jetzt auf der Straße.

In Willhof (ca. 150 Einwohner) steht die nächste Jakobskirche. Den Schlüssel gibt es bei Familie Bauer, Schwarzacher Straße 1 (Tel.: 09675-393). - Der Pilger / Wanderer kommt durch den Friedhof. Ein romanisches Portal führt ihn von der Südseite ins Kircheninnere. Dort kann er sich über gotische Spitzbogenfenster und eine bewegte Innenausstattung freuen. Der Hochaltar zeigt u.a. ein Bild unseres Kirchenpatrons.
Wer in Willhof Quartier oder Verpflegung sucht, wird enttäuscht. Ihm sei ein kleiner Umweg über Altendorf empfohlen. Man folgt zunächst der Markierung weiter und quert die Schwarzach. Beim alten Bahndamm (Weiche) muss man sich entscheiden: Entweder folgt man nach links einer Markierung blauer Ring auf weißem Rechteck und kommt über Altendorf nach 4,5 km zu einer Kreuzung „Spinne“ im Wald oder man nimmt die direkte Linie über Unterkonhof, bis zur Spinne sind es dann 3,5 km. Bei Unterkonhof gesellt sich von rechts her der Main-Donau-Weg (die Ostlinie) hinzu. Dieser verbindet Bischofsgrün mit Passau und ist als Hauptwanderweg des OWV mit dem M-D-Zeichen oder (vorwiegend) weiß-grün-weiß markiert. Beide Wege erklimmen zusammen den Höhenzug südwestlich des Schwarzachtales und queren die Straße Altendorf – Unterauerbach (etwas versetzt). Bei der Querung verlässt uns der Main-Donau-Weg, der uns bis hierher begleitet hat, weil er auf der Straße nach Altendorf noch ein Stück weiter führt, ehe auch er nach rechts in den Wald einbiegt. Unser Weg erreicht über die Spinne (eine Wegespinne) den Waldrand. Der Pilger/Wanderer darauf kann zuerst auf das obere, schließlich aber auf das ganze Auerbachtal hinunter schauen. Er kommt nach Mitterauerbach. Für Gruppen lässt sich eine Einkehr organisieren, ein Blick ins Kircheninnere sei aber auch dem Einzelwanderer empfohlen.
Auch das Auerbachtal ist nach Südwesten durch einen Höhenzug begrenzt. Unser Weg zweigt noch im Ort von der Straße nach Wundsheim links ab und führt vorwiegend im Wald hinauf. Auf der Kammlinie kommt man aus dem Wald und kann auf die Baggerseen des ehemaligen Braunkohletagebaus hinaus schauen.

Der Pilgerer/Wanderer erreicht Wundsheim. Das Dorf hat etwa 100 Einwohner und gehört zur Stadt Neunburg vorm Wald. Nach dem Dorfweiher halten wir uns rechts und nach Westen hinunter. Freie Flächen und Waldstücke wechseln ab. An einem Weiher vorbei queren wir den Talgrund, treffen die Straße nach Raffach und folgen ihr ein Stück nach links. Nach etwa 200 m zieht der Jakobsweg nach rechts hinauf, kommt zum Stanglberg und zieht schließlich naturbelassen nach Hohenirlach hinunter. Hier warten Einkehr- und Übernachtungsgelegenheit. Man quert hier die alte Straße Schwarzenfeld - Neunburg.
Während die bisher beschriebene Route vorwiegend welliges Gelände erschloss und viele Aussichtspunkte aufweisen kann, hat die Landschaft zwischen Hohenirlach und der Autobahn A 93 ein anderes Gesicht: Große Wasserflächen, teils als Baggerseen wie oben angeführt, teils als Fischweiher, prägen den neuen Landschaftscharakter. Unser Weg "schmuggelt" sich zwischen dem Ödhof und dem Kulm (432 m) durch und erreicht den Edlmannsee. Der Straße nach Raffach folgt er ein paar Meter nach links, wendet sich dann rechts, nutzt den Damm zwischen dem Murnersee und dem Grasweiher und kommt schließlich auf einer Straße zur Ausflugsgaststätte „Holzhaus".
Unmittelbar am Gasthaus wendet man sich von der Stra0e nach links. Bei einem zweiten Haken nach links verlässt man auch die alte Straße. Der weitere Weg ist häufig feucht, ist aber (auch) mit blauer Kreisscheibe eines anderen Wanderweges gut markiert. Vorbei am Sitz der Handwerkskammer in Charlottenhof kommt man zum Landsknechtweiher und Rotweiher. In der Regel kann man Wasservögel beobachten.  Bitte die Verhaltensregeln in einem Naturschutzgebiet beachten.
Man hört schon den Verkehr auf der Autobahn A 93 (Regensburg-Hof), wenn man wieder einmal nach links abbiegen soll. Endlich führt eine Brücke über die Autobahn. Gleich nimmt ein Steiglein im Wald den Wanderer oder Pilger wieder auf. Plötzlich geht es bergauf. Wir haben den Höhenzug vor uns, der von Osten her nach Schwandorf hinein reicht, zunächst den Holzberg, später den Weinberg. Das Steiglein - ob seiner Wurzeln für den Radfahrer wenig geeignet - hält sich am Nordhang entlang. Einmal kann man nach Prissath hinunter schauen. Weiter stadteinwärts überschreitet man eine Straße. Hier steht eine große Tafel, auf der Wanderwege eingezeichnet sind. Unsere Markierung trennt sich hier von der blauen Kreisscheibe.

Wo die ersten Häuser von Schwandorf auftauchen, erkennt man rechts des Weges einen Wasserturm. Wir bleiben weiter auf dem Kamm und schlängeln uns zwischen den Grundstücken hindurch. Eine Stelle gibt den Blick hinüber auf die Kreuzbergkirche (mit 2 Türmen) frei. Am auslaufenden Kamm geht es abwärts.

Es ist beeindruckend, wenn man - von oben kommend - plötzlich zwei Türme vor sich hat: Der eine, der Blasturm, ist Teil der früheren Stadtbefestigung. Hier wohnte einst der Wächter über Feuer und Feinde, hier wurde aber auch 1812 Konrad Max Kunz, der Komponist der Bayernhymne, geboren. Der andere Turm gehört schon zu St. Jakob. Er ist aus dem ehemaligen Bergfried entstanden. Die Kirche hatte man schon früher daneben gebaut und im Laufe der Jahrhunderte vielfach geändert.
Heute finden wir im Inneren der großen Kirche ein Tonnengewölbe mit Stichkappen. Der Hochaltar und zwei Steitenaltäre sind neugotisch gestaltet, es gibt aber auch gotische, spätgotische und barocke Elemente. Am Hochaltar sind die Berufung und die Enthauptung des Apostels Jakobus dargestellt. Außerdem steht der Heilige als Figur in einer äußeren Turmnische.

1285 wird Schwandorf als Markt und 1446 mit vollem Stadtrecht nachgewiesen. Treppengiebelhäuser am Marktplatz lassen mittelalterliche Ensembles ahnen. Heute hat Schwandorf (mit Eingemeindungen) ca. 28 000 Einwohner. Hier kreuzen sich die Bahnlinien Regensburg - Hof und Nürnberg - Cham. Die Autobahn Regensburg - Hof (A 93) berührt die Stadt im Osten. Die Bundesstraße B 85 verbindet Schwandorf mit Cham und mit Amberg und sie schafft im Westen Anschluss an die A 6 nach Nürnberg. 
Seit der letzten Gebietsreform ist in Schwandorf der Sitz des gleichnamigen Landkreises. Dieser reicht im Osten bis zur Staatsgrenze, im Norden gehören die Stadt Schönsee und der Markt Wernberg-Köblitz, im Westen Fensterbach, im Süden Burglengenfeld und Nittenau dazu.

Wer auf unserem Jakobsweg weiterziehen will, geht den Platz vor der Kirche bis etwa zur Mitte hinunter und wendet sich nach rechts. Von dort kann er schon auf die Naabbrücken hinausschauen und hinausgehen. Gleich am Ende der letzten Brücke führen Stufen nach links an das rechte Naabufer hinunter. Daran entlang leitet nun unsere Jakobsmuschel. Man kommt zum Festplatz und unterquert eine Bahnlinie. Die Naab wirkt hier recht breit.
Stets ist der Blick über das Wasser frei. Während der Pilger oder Wanderer die Ruhe des kaum bewegten Wassers aufnimmt, spürt er doch den Puls der Stadt am jenseitigen Ufer. Bei Ettmannsdorf unterquert er eine Straße, die hier über die Naab führt. Der Steig am Ufer endet schließlich. Unser Weg springt hinauf in die Verlängerung der Wöhrangerstraße und führt an den Waldrand, dann weiter nach Naabsiegenhofen. Von dort biegt unsere Markierung nach rechts weg. Zunächst sachte, dann aber deutlicher steigt das Gelände an. Ein Waldgebiet ist zu durchqueren. Am westlichen Waldrand angekommen, erkennt man am jenseitigen Hang eines Trockentales den Ort Neukirchen. Das schmucke Dorf war 1978 das schönste Dorf der Oberpfalz und erhielt 1979 eine Goldmedaille im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". Es hat ungefähr 300 Einwohner und gehört zur Stadt Schwandorf.
Man sollte hier unbedingt einmal in die katholische Pfarrkirche St. Martin hineinschauen: Die frühere Wallfahrtskirche zeigt ein Gnadenbild, Deckenfresken und vor allem einen romanischen Taufstein (rechts vom Altar) aus dem 12. oder 13. Jahrhundert.

Unser Weg führt an der Kirche vorbei und dann mit dem Kreuzweg nach rechts hinauf zur St.-Anna-Kapelle und weiter auf den Fahrweg in Richtung Scheckenberg. Der Weg dorthin ermöglicht zahlreiche Ausblicke: Im Norden erkennt man den Pittersberg und darauf den gleichnamigen Ort; dahinter, über das Fensterbachtal hinweg, den Höhenzug des Johannisberges. Stulln und Teile von Schwarzenfeld, die den Südrand des Nabburger Flussspatreviers markieren, kann man ausmachen. Natürlich hat man auch einen schönen Blick auf Schwandorf, wobei die Kirchen St. Jakob und die auf dem Kreuzberg besonders auffallen. Bei guter Sicht erkennt man im Osten von links nach rechts den Signalberg, den Cerkov (Schwarzkopf) und die Arbergruppe. Wer sich noch weiter dafür interessiert, bringe gute Sicht, ein Fernglas und eine geeignete Karte mit!

Unsere nächste Station ist Siegenthan. Der Gutshof macht einen hervorragenden Eindruck. Er steht auf der Hochfläche inmitten riesiger Felder. - Der Jakobsweg zweigt bei Siegenthan nach halblinks weg. Nach knapp einem Kilometer taucht er in ein Waldgebiet ein, das durch wenige kleine Rodungsinseln aufgelockert ist. Wir kommen nach Dornberg. Im Norden sehen wir Thanheim, im Westen einige Häuser von Rieden. Westlich von Dornberg queren wir ein Trockentälchen, das von Thanheim herunterzieht. Wieder auf der Hochfläche angekommen, wenden wir uns unter die Hochspannungsleitung für gut 1,5 km nach rechts.
In diesem baumlosen Gebiet sind die Markierungen meist auf eingegrabenen Steinen angebracht. Einmal, wo es nach links weggeht, helfen auch Zeichen an einem Hochspannungsmast. An einem Sportplatz vorbei kommen wir auf der Hochfläche bis zu den obersten Häusern von Ensdorf. Der Abstieg in den Ort erfolgt vorwiegend auf Fußsteigen.

Ensdorf liegt im Tal der fischreichen Vils, wo schon vor 20 000 Jahren gesiedelt wurde. Heute bilden Landwirtschaft, Gewerbe (mit Holz- und Steinverarbeitung) und der Fremdenverkehr Erwerbsquellen im Ort. Einschließlich der eingemeindeten Dörfer zählt Ensdorf heute etwa 2300 Einwohner. Quartier, Einkehr und Versorgung aus Geschäften sind möglich.

Als Wahrzeichen des Dorfes gilt ein alter Turm. Es ist der Turm der ehemaligen Pfarrkirche St. Stephan, die schon vor der Gründung des Ensdorfer Klosters existierte.
Der Dorfmittelpunkt ist das Kloster. Es geht auf eine Benediktinergründung 1121 zurück. 1507 brannte es ab und wurde schließlich aufgehoben. Um die Wende zum 18. Jahrhundert errichteten die Benediktiner hier eine neue Abtei. Erst 1921 entstand dann das Noviziat der Salesianer Don Boscos.  Eine klostereigene Schule wurde erst vor wenigen Jahren aufgelöst.

Im Mittelalter zogen Jakobspilger häufig durch Ensdorf. So wurde die Klosterkirche, die heute zugleich Pfarrkirche ist, dem hl. Jakobus geweiht. Die prächtige Barockkirche als Wandpfeilerbau wird Johann Dientzenhofer (1663 - 1726) zugeschrieben und die Deckengemälde des Langhauses Cosmas Damian Asam (1686 - 1739).  Erwähnenswert sind auch wertvolle Schnitzarbeiten in der Sakristei, deren Künstler aber im Verborgenen bleibt.

In Ensdorf endet die Betreuung des Jakobsweges durch den Oberpfälzer Waldverein (OWV). Um die Anschlussstrecke kümmert sich der Fränkische Albverein (FAV). Achtung! Etwa 250 m südlich des Klosters (bei der Bäckerei Dietz) gibt es eine Stelle, von der gleich markierte Wege in drei verschiedene Richtungen führen. Man beachte die dort angebrachten Tafeln genau.

Unsere Beschreibung des Weges entspricht der Richtung nach Santiago de Compostela. Als Wanderweg ist er aber auch in umgekehrter Richtung gehbar und gut zu finden.

Inzwischen gibt es auch eine Beschreibung des Jakobsweges von Prag nach Tillyschanz: "Der Jakobsweg von Prag bis Tillyschanz/Eslarn" von Hans-Jörg Bahmüller.

 

Markierung Oberpfälzer Jakobsweg des Oberpfälzer Waldvereins (OWV) - Foto: Michael Körner
Markierung Oberpfälzer Jakobsweg des Oberpfälzer Waldvereins (OWV) - Foto: Michael Körner